Kirsten Richter

Autorin



"Der Winterspaziergang"

Erscheint in Kürze

Zwischen dem, was wir suchen, und dem, was wir finden, liegt die leise Energie einer unerwarteten Begegnung.

Herzlich Willkommen!
Ich bin Kirsten Richter, Autorin von "Der Winterspaziergang".
Auf dieser Seite finden Sie Informationen zu meinem ersten Buch und demnächst auch zu
kommenden Projekten und aktuellen Einblicken in meine Arbeit.


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Über mich:Hinter jeder Antwort liegt ein Weg.Ich bin auf meinem weiten Weg gegangen – und wie jeder andere auch, abgebogen, umgedreht, gestolpert. Mal über meine eigenen Füße, mal über starke Wurzeln, mal über Hindernisse; große und kleine. Ich habe auf diesem Weg viel ausprobiert. Ich bin ihn in verschiedenen Stimmungen gegangen und in anderen Sichtweisen.
Manchmal in Gedanken, manchmal ganz wach und klar.
Mal trug es mich dahin, mal war es eher mühsam. Ich habe Staub geschluckt, ich bin naß geworden und habe vor Wut aufgestampft. Hin und wieder wollte ich umdrehen oder nicht weitergehen – besonders, wenn der Wegesrand so schön war. Auch Pausen habe ich oft eingelegt und die Zeit hat mich dabei überholt.
Bei allem, was ich ausprobiert habe – eine Konstante gab es und das war mein Gefühl, wenn ich geschrieben habe.


Mein Schreiben:Mich interessiert, woher etwas kommt; denn das, was wir tun,
haben wir meistens längst entschieden.
Während des Schreibens zu diesem Buch wurde mir bewußt, daß mein Augenmerk oft hinter dem Sichtbaren liegt. Mich interessiert, welche Bedeutung es für die Bewegungsrichtung hat. Wo ich Verbundenheit empfinde, entsteht ein natürlicher Wunsch, zu verstehen. Denn genau das sind die Momente, die vieles tragen und über die ich geschrieben habe:
Strömungen unter Oberflächen und ihre Stimmungen. Sie faszinieren mich ebenso wie das Ausgelassene und Dinge, die bereits da sind, aber noch keinen Ausdruck gefunden haben. Es sind jene Momente, in denen sich etwas verschiebt.
Für sie suche ich einen Weg, der dort hineinführt, ohne das Nichtgesagte zu sagen.
Kleinigkeiten und Schönheiten des Alltags, Zwischentöne und Stolpersteine – all das gehört dazu, auch wenn es schmerzlich wird. Beharrlichkeit zeichnete diesen Weg ebenso aus wie Humor und das Loslassen von meinen Vorstellungen.Mit »Der Winterspaziergang« lege ich meinen Débutroman vor – eine Geschichte über Resonanz, Freundschaft, Liebe und die Frage, was uns lenkt.



Der Winterspaziergang – beginnt1 / Tjarven: Mein Wintertag / ihn auf die Zunge gelegtDie klare, kalte Winterluft hatte sich nach dem langen Spaziergang wie ein Mantel aus Eiskristallen in unsere Lungenflügel gelegt. Es dämmerte bereits, als sich der Wagen langsam über den hartgefrorenen Feldweg bewegte. Frost und Rauhreif kleideten die dürren Arme der kahlen Bäume; hatten über jedem Ast, jedem Strauch, jedem Erdklumpen und jedem Grashalm ihre glitzernde Decke geworfen. Unsere Gesichter fühlten sich wie gelähmt an, und so kam es zu einem jener Momente, in dem man gerne schweigt, sich einfach in den Sitz drückt und die letzte kalte Luft von draußen weiß ausatmet.Still ließ ich die verzauberte, schlafende Landschaft an mir vorüberziehen. Ich liebte diese typische „Nach-einem-Winterspaziergangs-Stimmung“. Sie hypnotisierte mich, wie die Kälte mein Gesicht lähmte. Sie machte mich ruhig, zurückgezogen und tief in mir und meinen Nichtgedanken verborgen.
Das letzte Wort zwischen uns schien lange her, und doch fühlte ich mich durch deine Nähe auch in jedem gemeinsam geschwiegenen Augenblick mit dir verbunden.
Ich sah nach draußen durch die halb beschlagene Scheibe, sah, wie die milchig fahle Sonne am bleichen Januarhimmel verschwand. Am anderen Ende funkelten bereits die ersten Sterne, und die dunkelblaue Himmelskuppel, die die Nacht ankündigt, wölbte sich ihr schleichend entgegen.
„Ja, es war ein schöner Nachmittag“, hörte ich mich dir irgendwann antworten. „Ich lasse ihn mir gerade noch auf der Zunge zergehen.“
„Auf der Zunge?“
„Was?“
„Du läßt ihn dir gerade noch auf der Zunge zergehen?“
„In Gedanken zergehen, auf der Zunge zergehen … Ich kann noch nicht denken, ich bin noch eingefroren“, beeilte ich mich zu erklären. Innerlich stöhnte ich auf und schalt mich, warum gerade diese Formulierung jetzt hatte hochkommen müssen. Von dir kam ein Schmunzeln und ein kurzer Seitenblick wegen meiner Ausdrucksweise. Wie oft lagen wir lachend am Boden, hatten dieselben Vorstellungen und Bilder im Kopf oder konnten nicht mehr zu Ende reden wegen meiner Wortverdreher.
Wievieles wir schon erlebt hatten, wie viele Reisen, wie viele Gespräche in all der Zeit, seit wir uns kannten. Du warst schnell eine meiner engsten, meiner besten Freundinnen geworden, und ich hatte mich daran gewöhnt, dir nah zu sein auf eine so verbundene, innere Weise.
Die andere Liebe, die auch noch da war, war ich geübt, an die Seite zu schieben. Doch nun kam sie auf dieser Autofahrt zum Vorschein, je mehr mein Kopf von der Kälte auftaute. Wie rieselnde Winterkristalle, die eine Windböe erfaßt, war jeder Kristall ein Gedanke oder ein Bild, welche wie eine Collage meines bisherigen Lebens aus mir aufstiegen und in meinem Kopf umherwirbelten. Auch mit Begebenheiten von uns, in denen ich mehr empfunden hatte, als ich mir eingestehen wollte.
Du sahst fragend zu mir herüber. Hatte ich zu lange geschwiegen und etwas von dir verpaßt?
„Was?“ fragte ich hochgeschreckt.
„Ich habe nichts gesagt, nur zu dir geschaut“, war deine Antwort nachdenklichen Seitenblickes.
Meine Finger stützten mein Kinn, die Lehne meinen Arm; mein Blick wanderte erneut aus dem Fenster. Glück gehabt! „Ich lasse deine Nähe noch in mir nachklingen.“ Das hatte ich gedacht und eigentlich sagen wollen, statt des „auf-der-Zunge-Zergehens“.
Als du zum Schluß noch an dem Kiefernast zogst und mich der Schnee berieselte, woraufhin ich den Ball warf, da hätte ich dich am liebsten an mich gezogen. Dieses Bild war schneller aus meinen Tiefen aufgetaucht, als mein Schneeball geflogen. Dann war ich davon gelaufen. Äußerlich scheinbar nur deiner Revanche ausweichend.
Oh man, stöhnte ich innerlich. „Auf der Zunge zergehen“ – die Ausrede in mir hatte geantwortet, doch das Verborgene war aufgeflackert und hatte der Logik mein Gefühl auf die Zunge gelegt. Mein Mund war trocken, meine Wahrheit durstig.
Mist! dachte ich. Dabei wäre es so ein schöner Satz gewesen zum Aussprechen: Ich lasse deine Nähe noch in mir nachklingen. Meine Gefühle machten mich beklommen. Ich wünschte mich an einen anderen Ort, ich wünschte mir Stille in meinem Kopf – und sehnte mich gleichzeitig nach deiner Stimme. Von allen, die ich kannte, brannte sich deine mit ihrer besonderen Farbe am heftigsten in mich hinein. Sie war eine Nuance tiefer und samtiger als andere und wenn du lachtest jedoch um so erstaunlich heller. Welch ein schöner Kontrast so jedes Mal hervorbrach und mich verzauberte.
Ich betrachtete weiter die vorbeiziehende Winterlandschaft, und sie trug deine Grübchen in der Scheibe. Deine Augen ruhten erneut für Sekunden in ihrer Spiegelung auf mir. Ich versuchte, mich zu sammeln und sicherzugehen, daß diese Stille hier gerade nicht nur von mir ausging.
„Auch, wenn du meinen Satz vom Auf-der-Zunge-zergehen-lassen als Aufforderung verstanden hast, diesem Wintergenuß jetzt ebenfalls nachzuspüren – du darfst mir trotzdem gerne etwas erzählen, ich höre dir zu.“
„Nein“, sagtest du überraschend sanft und leise.
Schade, dachte ich und schaute wieder hinaus, tauchte ab. Mein Sehen flog mit der Natur dahin, darüber hinweg und wand sich in mein Innerstes, getragen von dem Geruch deiner Kleidung neben mir.
Könntest du nur ahnen und würdest du erwidern, wo ich gedanklich wirklich war, wünschte ich. Wie lange würde ich es noch unbemerkt – mich ungesagt – bleibenlassen können? Wie würdest du reagieren? Wärest du entsetzt oder verlegen? Würde es uns unsicher werden lassen? Wärest du überrascht oder ich noch viel mehr von mir und überrollt? Ich hätte gerne gewußt, ob du manchmal etwas ahntest; aber hoffte ich das zu meiner Erleichterung wirklich? Wie groß wäre sie am Ende tatsächlich, fragte ich mich bitter?
‚Aussichtslos‘, kam mir in den Sinn. So wie mein ganzes Kreisen hier.
Wieviele überflüssige Gedanken können einen eigentlich jagen in so kurzer Zeit? Keine Ahnung, ich wußte nichts mehr – nichts mehr, als daß ich bei dir sein wollte. Und ich wollte nichts mehr wissen als das, was du darüber dachtest. Ich wollte dich und fühlte es in diesen Momenten so stark, wie ich nichts zuvor in meinem Leben gefühlt und gewollt hatte.
In allen habe ich jemanden wie dich gesucht. Jemanden, mit dem es sich so anfühlt wie dein Zusammensein mit mir. Seelenverwandt – ich hatte kein besseres Wort dafür. Doch auch: Im falschen Körper in diesem Leben. Das waren die anderen Worte dafür.
Ich dachte an den Brief, den ich dir vor ein paar Tagen geschrieben hatte und der in meinem Schreibtisch lag. Ich kannte die Worte auswendig:
„Liebe Sofia!Ich muß es Dir jetzt einfach sagen und es fällt mir nicht leicht, aber ich kann es nicht länger wegschieben.
Etwas hat sich verändert, seit wir uns kennenlernten. Ich sehe Dich, wo immer ich hinschaue. Es ist, als schlüge mein Herz den Klang Deines Namens, Tag und Nacht. Mein Sehnen nach einer Berührung von Dir scheint übergroß, und ich bin erstaunt, daß es meinen Verstand nicht zerspringen läßt. Deine Stimme verzaubert mich, erzeugt eine Resonanz aus Wellen in meinem Kopf, in meinen Gedanken. Sie schlägt Purzelbäume auf meiner Zunge, hallt durch meinen Körper.
Wenn ich an Nähe und Liebe denke, sehe ich Deine schönen Hände. Wenn mich der Wind streift, denke ich an Deinen Atem, stelle mir vor, wie er sich mit meinem verbindet.
Du bist – seit so langer Zeit schon – was ich denke, was ich atme, was ich fühle. Alles, wohin ich will! Und dies ist alles, was gerade in mir ist, alles, was ich gerade weiß!“
Himmel, dachte ich dann, das führt zu nichts und holte tief Luft.
In dem Moment tratest du auf die Bremse; abrupt, fuhrst an den Feldwegrand und sahst mich an – klarer Blick, Stille.
„Ist alles in Ordnung mit dir?“ fragtest du.
„Mmh? Ja, wieso?“ brauchte ich einen Moment.
„Ich weiß nicht … ich habe gerade das Gegenteil gedacht und wollte sicher gehen. Habe ich vorhin irgend etwas gesagt oder getan, das dich so beschäftigt?“
Bevor mein Schweigen zu lange dauerte, setzte ich mich schnell ein bißchen aufrechter, Sekunden gewinnend.
„Ahm … nein, ich bin einfach – ein bißchen müde. Von allem. Ein bißchen verzaubert. Es … es war so schön, so ein wunderbarer Tag mit dir.“ Dein ruhiger Blick lag auf mir – prüfend? „Das war ein so schöner Tag heute“, wiederholte ich schnell in die wachsende Anspannung hinein.
„Das sagtest du bereits“, kam leise von dir. Deine Augen blieben auf mir – skeptisch? Ich nickte, versuchte ein Lächeln. Ich ahnte, es würde nicht überzeugen können, aber mir fiel nichts Schnelleres ein. Ja, das hatte ich gesagt. Das andere nicht.
„Sofia, kannst du mich doch zu mir nach Hause bringen?“ fragte ich, schnell ablenkend anfügend, und dachte, wäre ich doch schon dort.
„Aber … du wolltest doch noch mit zu mir kommen. Bist du sicher, daß alles in Ordnung ist?“
„Ja, aber ich würde es gerne verschieben und meine Sachen für morgen vorbereiten. Es wird mir sonst doch zu spät“, schob ich unterstreichend hinterher. Du nicktest – nach ein paar Sekunden.
„Okay, wenn du möchtest, dann machen wir das so.“
Dein forschender Ausdruck blieb noch kurz auf mir. Dann brachtest du den Wagen zurück auf den Feldweg. Es hatte keinen Zweck mehr heute, so wußte ich; ich würde mich nur noch tiefer hineinreiten.
Als das Auto hielt, war ich im gezügelten Sprung, mich innerlich wappnend, einen Scherz oder meine Ausrede noch einmal parat zu haben, für was auch immer du mir noch sagen würdest. Damit das, was du vielleicht unterbewußt erspürt haben mochtest, nicht zur Sprache käme. Doch zu meiner Verwunderung sagtest du nichts. Du sahst mich nur an – abwartend. Mehr nicht. Und doch zu viel. Dein Instinkt leitete dich genau richtig. Du hattest oft ein erstaunlich feines, fast untrügliches Gespür für Zeitpunkte, für Zwischenmenschliches. Und so gab es keinen Scherz, kein Ausweichen – und ich mußte ausatmen. Mein Herz begann schneller zu schlagen. Die Sekunden rannen wie Körner einer Sanduhr zwischen uns hindurch. Es dauerte bereits zu lange. Das Rauschen in meinen Ohren schwoll an, und mit jedem Körnchen wurde mir bewußter, daß mir eine Beruhigung nicht mehr gelingen würde.
So gab ich auf: die Kontrolle, mich, die Situation – und die Chance leider auch.
Meine Hand bereits am Türgriff, beugte sich mein Oberkörper, wie gewohnt, zu dir nach vorne, dich zu verabschieden. Dann kam mir in letzter Sekunde erneut mein Gefühl dazwischen: Statt auf deine Wange küßte ich dich schnell und flüchtig neben deinen Mundwinkel und stieg aus.